Amortisation: wann sich Wärmepumpe und Klimaanlage rechnen
Kurz gesagt: Die Amortisationszeit hängt an drei Größen – der Investition nach Förderung, dem Stromtarif und der Effizienz, die im Betrieb tatsächlich erreicht wird. Der Stromtarif entscheidet dabei häufiger als die Technik: Dieselbe Anlage amortisiert sich mit einem Wärmepumpentarif in sieben Jahren und mit Haushaltsstrom in über zwanzig.
Der Rechner unten arbeitet mit denselben Annahmen wie der Rest dieser Website. Er rechnet bewusst in zwei Szenarien: einmal mit dem Datenblattwert und einmal mit der Jahresarbeitszahl, die im Feld gemessen wurde. Der Unterschied zwischen beiden ist größer als jeder Modellvergleich.
- Der Stromtarif ist der stärkste Hebel – stärker als das Gerät.
- Rechne mit zwei Effizienzwerten: Datenblatt (SCOP 4,5) und Feld (JAZ 3,4).
- Die Förderung verkürzt die Amortisation oft um die Hälfte.
- Der CO₂-Preis verteuert Gas und Öl Jahr für Jahr weiter – 2026 liegt der Korridor bei 55–65 € je Tonne.
- Eine Luft-Luft-Wärmepumpe amortisiert schneller, weil die Investition deutlich kleiner ist.
- Wenn die Amortisation länger dauert als die Lebensdauer, ist die Rechnung gescheitert – auch das kommt vor.
Amortisationsrechner
Wann hat sich die Investition bezahlt gemacht?
Annahmen: Erdgas 11,1 ct/kWh, Heizöl 13,5 ct/kWh, Haushaltsstrom 37,0 ct/kWh, Wärmepumpentarif 24 ct/kWh. Nutzungsgrad Gaskessel 90 %, Ölkessel 88 %. Effizienz der Wärmepumpe: Datenblatt SCOP 4,5, Feldwert JAZ 3,4 (Fraunhofer ISE). Bei der Split-Variante wird nur der Anteil ersetzt, den ein Raum am Wärmebedarf hat – hier mit 35 % angesetzt. Ohne Preissteigerung, ohne Wartung, ohne Zinsen.
Wie die Rechnung funktioniert
Amortisation ist keine Geheimwissenschaft. Drei Schritte genügen:
- Bisherige Kosten: Wärmebedarf ÷ Nutzungsgrad × Brennstoffpreis. Bei 20.000 kWh Wärme, 90 % Nutzungsgrad und 11,1 ct/kWh sind das rund 2.470 € im Jahr.
- Neue Kosten: Wärmebedarf ÷ Jahresarbeitszahl × Strompreis. Mit JAZ 3,4 und 24 ct/kWh sind das rund 1.410 €.
- Amortisation: Investition nach Förderung ÷ jährliche Ersparnis. Bei 1.060 € Ersparnis und 21.000 € Eigenanteil sind das knapp 20 Jahre.
Datenblatt gegen Wirklichkeit
Der wichtigste Unterschied in jeder Amortisationsrechnung ist nicht der Gerätepreis, sondern die Effizienz, die man ansetzt.
| Szenario | Effizienz | Stromkosten bei 20.000 kWh Wärme | Ersparnis gegen Gas |
|---|---|---|---|
| Datenblatt, Wärmepumpentarif | SCOP 4,5 | 1.070 € | 1.400 € |
| Feldmessung, Wärmepumpentarif | JAZ 3,4 | 1.410 € | 1.060 € |
| Datenblatt, Haushaltsstrom | SCOP 4,5 | 1.640 € | 830 € |
| Feldmessung, Haushaltsstrom | JAZ 3,4 | 2.180 € | 290 € |
Gaskosten als Vergleichsbasis: 2.470 € bei 20.000 kWh Wärme, 90 % Nutzungsgrad und 11,1 ct/kWh. Jahresarbeitszahl 3,4 aus der Fraunhofer-ISE-Feldmessung an 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand.
Zwischen der besten und der schlechtesten Zeile liegt der Faktor fünf. Bei 21.000 € Eigenanteil bedeutet das 15 Jahre im günstigen und über 70 Jahre im ungünstigen Fall – letzteres ist keine Amortisation mehr, sondern ein Zuschussgeschäft.
Was die Förderung ausmacht
Die Förderung greift direkt an der Investition an und ist damit der zweitstärkste Hebel nach dem Stromtarif.
| Fördersatz | Eigenanteil bei 36.000 € | Amortisation bei 1.060 € Ersparnis |
|---|---|---|
| ohne Förderung | 36.000 € | rund 34 Jahre |
| 30 % Grundförderung | 25.200 € | rund 24 Jahre |
| 46 % (Grund + Klimageschwindigkeit) | 19.440 € | rund 18 Jahre |
| 70 % | 10.800 € | rund 10 Jahre |
Die Fördersätze und der Deckel von 28.000 € förderfähigen Kosten stehen in der Förderübersicht 2026. Wie du den Eigenanteil finanzierst und warum der zinsverbilligte KfW-Kredit den Steuerbonus ausschließt, steht unter Klimaanlage finanzieren.
Der CO₂-Preis rechnet für dich mit
Die Rechnung oben ist statisch – sie unterstellt gleichbleibende Preise. Real steigt der Preis für fossile Brennstoffe planmäßig weiter: Seit 2026 werden die Zertifikate in einem Preiskorridor von 55 bis 65 € je Tonne versteigert. Auf Erdgas schlägt das derzeit mit rund 1,4 bis 1,6 ct je Kilowattstunde durch, auf Heizöl entsprechend mehr.
Der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS 2) soll den nationalen Handel ablösen; der Start wurde auf 2028 verschoben. Danach entfällt der nationale Preiskorridor, der Preis bildet sich am Markt.
Warum die Luft-Luft-Wärmepumpe schneller amortisiert
Eine Split-Klimaanlage ersetzt keine Zentralheizung, sondern übernimmt einzelne Räume. Dafür kostet sie einen Bruchteil.
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | Split (Luft-Luft), ein Raum | |
|---|---|---|
| Investition | 30.000–45.000 € | 2.000–5.000 € |
| Deckt | ganzes Haus inkl. Warmwasser | einen Raum, kein Warmwasser |
| Förderfähig | ja | nur mit Heizfunktion und erfüllten Anforderungen |
| Zusatznutzen | keiner | kühlt im Sommer |
| Typische Amortisation | 10–25 Jahre | 5–10 Jahre |
Der Grund ist arithmetisch: Die Split-Anlage spart absolut weniger, aber die Investition ist zehnmal kleiner. Details im Vergleich Luft-Luft-Wärmepumpe und unter Wärmepumpe im Altbau.
Was in keiner Amortisationsrechnung fehlen darf
- Wartung. Wärmepumpe rund 150–300 € im Jahr, Gasheizung inklusive Schornsteinfeger ähnlich. Der Posten hebt sich meist auf – aber nur, wenn du ihn auf beiden Seiten ansetzt.
- Lebensdauer. Wärmepumpen 15–20 Jahre, Split-Anlagen 10–15. Eine Amortisation jenseits der Lebensdauer ist keine.
- Der Strompreis ist keine Konstante. Ein Wärmepumpentarif kann gekündigt oder teurer werden. Rechne einmal gegen, was bei Haushaltsstrom passiert.
- Der Vergleich mit „nichts tun". Eine funktionierende Gasheizung zu ersetzen ist etwas anderes, als eine defekte zu ersetzen. Im zweiten Fall zählt nur die Differenz zur neuen Gasheizung – und die amortisiert sich fast immer.
Was jetzt zu tun ist
- Schritt 1: Jahres-Wärmebedarf aus der letzten Abrechnung holen – nicht schätzen.
- Schritt 2: Beide Szenarien im Rechner durchspielen, Datenblatt und Feldwert.
- Schritt 3: Prüfen, ob ein Wärmepumpentarif verfügbar ist. Das entscheidet die Rechnung.
- Schritt 4: Fördersatz bestimmen – erst danach steht der Eigenanteil fest.
- Schritt 5: Wenn die Amortisation über der Lebensdauer liegt: die kleinere Lösung prüfen, nicht die größere.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Amortisation einer Wärmepumpe?
Bei 20.000 kWh Wärmebedarf, Wärmepumpentarif und gemessener Jahresarbeitszahl von 3,4 spart eine Luft-Wasser-Wärmepumpe rund 1.060 € im Jahr gegenüber Gas. Bei 46 % Förderung und 36.000 € Investition bleibt ein Eigenanteil von etwa 19.400 € – das entspricht rund 18 Jahren. Mit Haushaltsstrom statt Wärmepumpentarif verlängert sich das auf über 60 Jahre.
Warum rechnet ihr mit zwei verschiedenen Effizienzwerten?
Weil beide stimmen und beide etwas anderes bedeuten. Der SCOP steht im Datenblatt und wird unter Normbedingungen ermittelt. Die Jahresarbeitszahl ist der Wert, der im Gebäude tatsächlich herauskommt – im Mittel 3,4 bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand. Wer nur mit dem Datenblattwert plant, unterschätzt die Amortisationszeit erheblich.
Was ist der größte Hebel?
Der Stromtarif. Zwischen Haushaltsstrom (37 ct) und Wärmepumpentarif (24 ct) liegt bei 20.000 kWh Wärmebedarf ein Unterschied von rund 770 € im Jahr – mehr, als die Wahl zwischen zwei Gerätemodellen jemals ausmacht. Voraussetzung ist ein eigener Zähler für eine steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG.
Lohnt sich eine Wärmepumpe ohne Förderung?
Selten. Ohne Förderung liegt die Amortisation bei 36.000 € Investition und 1.060 € Ersparnis bei rund 34 Jahren – deutlich über der Lebensdauer der Anlage. Anders sieht es aus, wenn ohnehin eine neue Heizung fällig ist: Dann zählt nur die Mehrinvestition gegenüber einer neuen Gasheizung.
Rechnet sich eine Split-Klimaanlage schneller?
In aller Regel ja, weil die Investition zehnmal kleiner ist. Sie spart absolut weniger, deckt aber auch nur einzelne Räume ab und macht kein Warmwasser. Typisch sind fünf bis zehn Jahre – zusätzlich kühlt sie im Sommer.
Muss ich den steigenden CO₂-Preis einrechnen?
Er wirkt zu deinen Gunsten, wenn du von Gas oder Öl weggehst. Seit 2026 gilt ein Preiskorridor von 55 bis 65 € je Tonne, ab 2028 soll der europäische Emissionshandel ETS 2 folgen. Wir empfehlen, konservativ mit heutigen Preisen zu rechnen und den steigenden CO₂-Preis als Sicherheitsmarge zu behandeln.